Forschung zur ArtenvielfaltÜbersicht:

Angesichts der vielen Millionen schon bekannter und noch zu entdeckender Organismen auf dem Planeten Erde sowie der bemerkenswerten Vielfalt an Lebensräumen wollen wir auf dieser Seite Steckbriefe von Tieren und Pflanzen vorstellen, die nicht in jeder Internetpräsenz zu finden sind. Wir bieten Ihnen an, die Schönheit und faszinierenden Details des Lebendigen kennen zu lernen.

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Wirbeltiere

Die Vertebrata (lat. = mit Wirbeln versehen) gehören zu den höchst entwickelten Vertretern des Tierreichs. Zu Ihnen zählt man die Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere. Nahe verwandt sind sie übrigens mit den primitiver gebauten wasserlebenden Lanzettfischchen und Manteltieren.
Schon im Silur vor ca. 500 Mio. Jahren tauchten die ersten archaischen Fische in Meeresablagerungen auf. Weit über 50.000 bekannte Arten leben zur Zeit auf der Erde, der größte Teil davon Meeresfische. Und natürlich der Mensch, ebenfalls ein Wirbeltier.

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Europäische Igel, Der Kleiber, Der Kormoran, Die Ringelnatter, Der Turmfalke, Der Uhu

 

 

Der Kormoran, Phalacrocorax carbo (L.)

Phalacrocorax carbo KormoranMerkmale: Ohne Zweifel ist der gänsegroße schwarzblaue Kormoran mit weißer Kehle ein attraktiver, interessanter Wasservogel, den man in unserer Landschaft nicht missen möchte.

Lebensraum: Diese Kormoranart lebt in Europa, Afrika, dem nordöstlichen Amerika, dem südlichen Asien und Australien. Sie bevorzugt dabei die Meeresküsten und Mündungen größerer Flüsse, aber auch im Binnenland an Fließgewässern und Seen mit höherem Baumbestand werden Nistplätze immer häufiger angetroffen.

Lebensweise: Der Kormoran ist ein ausdauernder Taucher. Er rudert unter Wasser mit seinen Füßen und steuert mit dem Schwanz. Mit dem langen, hakenbewährten Schnabel kann er die erbeuteten Fische gut festhalten. Sein Gefieder ist wasserdurchlässig, sodaß er es an der Luft trocknen lassen muß. Es ist ein schönes Bild, wenn die Kormorane nach jedem Tauchgang mit ausgebreiteten Flügeln auf den meist abgestorbenen Bäumen sitzen. Die Bäume, auf denen sich regelmäßig Kormorane aufhalten oder auch brüten, sterben meist bald ab. Der Kot der vielen Vögel wird auf das Laub darunter gespritzt. Durch die aggressive Wirkung (Verätzung) sterben die Blätter ab und fallen herunter. Die Folge ist, daß der Baum nicht mehr über die Blätter atmen (assimilieren) kann. Er stirbt ab und wird zur Sitzplatz-Ruine.
Als gewandter Unterwasserjäger und listiger, hartnäckiger  Fischvertilger ist der Kormoran in letzter Zeit oft in die Schlagzeilen geraten.

Besonderheiten: Oft findet man die Nistkolonien von Kormoranen, Graureihern und anderen Arten in unmittelbarer Nähe zueinander. Leider droht zum Beispiel in Brandenburg, an so manchen mit Schilf bestandenen Seen der Rückgang der Fischadlerpopulationen. Aus eigenen Beobachtungen kann bestätigt werden, daß Brutpaare des Fischadlers (Pandion haliaetus (L.)) die von ihnen regelmäßig besetzten Horste nicht mehr annehmen, weil hunderte Kormorane dauerhaft und regelmäßig in der Randvegetation der Seen auf Beute lauern. Die Gewässer werden durch die hartnäckige Befischung der schwarzen Lauerjäger und Jagdtaucher leer gefressen. Fischadler sind reine Fischfresser und bringen durch die große Beunruhigung und die extreme Nahrungskonkurrenz durch die Kormorane keine Brut mehr hoch. Man wird über Maßnahmen nachdenken müssen, falls diese Vogelart sich noch massiver verbreitet.

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Erinaceus europaeus IgelErinaceus concolor IgelEuropäische
Igelbande

 

 

 


Westigel (Oberbayern)                                                                                                                                  Ostigel (Südost-Türkei)

In Europa leben zwei Arten Igel in 8 Unterarten.
Der Weißbrust- oder Ostigel (Erinaceus concolor) kommt, wie schon der Name besagt in Osteuropa vor. Bereits in Ungarn kann man ihn antreffen. Man unterscheidet die östliche Art von der westlichen durch die hell behaarte Brust- und oft auch Bauchseite. Der Weißbrustigel hegt die selben Lebensgewohnheiten wie der Braunbrust- oder Westigel und ernährt sich ebenfalls von Insekten, Regenwürmern, Schnecken, Früchten u.v.m. Auch kleinere Schlangen gehören auf seinen Speiseplan.
In den letzten Jahren hat man darüber diskutiert, ob es sich beim Ostigel nicht nur um eine Unterart (Erinaceus europaeus roumanicus) des Westigels (Erinaceus europaeus L.) handelt.

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Der Turmfalke (Falco tinnunculus L.)

Falco tinnunculus TurmfalkeDer auch bei uns häufig vorkommende kleine Turmfalke hat ein weites Verbreitungsgebiet. Es erstreckt sich über Europa, den größten Teil des nördlichen Asiens und weite Teile Afrikas. Man schätzt den europäischen Bestand auf etwa 500.000 Individuen. Die sich überwiegend von Kleinnagern (aber auch Vögel und Insekten) ernährenden Vögel sind durch das Ausbringen von Pestiziden in der Landwirtschaft stark gefährdet. Turmfalken sind Stand-, Strich- oder Zugvögel. Die als Standvögel im Winter hier verbleibenden Exemplare bleiben als Paare meist lebenslang zusammen.
Als Nistplätze bevorzugen sie die Nischen alter Gemäuer (Kirchtürme, Burgmauern u.a.), nehmen aber auch gerne verlassene Nester größerer Vögel (Krähen, Elstern u.a.) an. Die Hauptbrutzeit ist von April bis Mai, wobei die Stadtvögel etwas eher mit dem Brutgeschäft beginnen. In 27-29 Tagen werden vom Weibchen 3-8 Eier ausgebrütet. Die Nestlingszeit dauert in der Regel etwa 30 Tage und anschließend betreuen die Eltern ihre Jungen noch weitere 30 Tage.
Es werden vom Turmfalken hauptsächlich zwei Fangtechniken angewendet. Entweder rüttelt der Vogel in der Luft stehend über der ausgemachten Beute, meist in einer Höhe von 8 – 30 Meter oder er jagt von einem Ansitz aus, indem er sich sturzflugartig auf die Beute „fallen“ läßt. Mit tödlichem Griff sichert er die Beute und beginnt ungestört gleich mit der Rupfung. In Gegend mit Baum- oder Strauchbestand wird zum Rupfen aufgebaumt.

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Der Uhu Bubo bubo (L.)

Bubo bubo UhuMerkmale: Die größte europäische Eule mit einer Spannweite von 170 cm! Der etwa 70 cm hohe sitzende Vogel beeindruckt besonders durch seine großen orangefarbenen Augen und die langen Feder"ohren". Das rindenfarbige Gefieder der Oberseite verhilft ihm zu einer hervorragenden Tarnung.

Lebensraum: Bewohnt in weiten Teilen Europas, Asiens und Nordafrikas verschiedenste Lebensräume von felsigem Gelände bis zu ausgedehnten dichten Wäldern.

Lebensweise: Tagsüber sitzt er versteckt in Felsen oder alten Bäumen. Nachts geht er auf Jagd und streicht mit lautlosem Flügelschlag durch die Dunkelheit. Dabei ist ihm seine ausgezeichnete Nachtsichtfähigkeit und sein scharfes Gehör von Nutzen. Er erbeutet Insekten, Kriechtiere, Säuger bis Hasen- und Vögel bis Entengröße. Als Standvogel ist er seinem Nistplatz treu. Der kann in Felswänden, Baumhöhlen, Hangmulden, unter entwurzelten Bäumen oder in verlassenen Nestern anderer Arten zu finden sein. Von Februar bis April legt das Weibchen 2 bis 4 weiße Eier ab, die sie einen guten Monat bebrütet. Charakteristisch ist der namengebende Ruf der Art, das "uhu" bzw. "huu-u" des Männchen. Der Ruf ist bis zu 5 km weit hörbar und dient sowohl der Revierabgrenzung als auch der Kommunikation mit dem Weibchen.

Schutz: Der Uhu reagiert empfindlich auf Störungen und benötigt große Revierflächen mit ausreichendem Nahrungsangebot. Daran scheint es in Mitteleuropa vielfach zu mangeln, sodaß die Art selten brütet und sehr rar geworden ist. Man muß es so hart ausdrücken: Der Mensch - das gefährlichste aller Raubtiere - stellt offensichtlich eine große Gefahr für ihn dar.

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Der Kleiber Sitta europaea (L.)

Sitta europaea KleiberMerkmale: Gedrungener Körperbau (Länge ca. 14 cm) mit kurzem Schwanz und spechartigem Schnabel. Auffällige Zeichnung durch die weiße Kehle, den waagerechten schwarzen Augenstreif, die graublaue Ober- und rostrote Unterseite. Hält sich meist an Baumstämmen und dicken Ästen großer Bäume auf (siehe Lebensraum!). Wenn Sie einen derartigen Vogel kopfabwärts sitzen oder rennen sehen, kann es nur der Kleiber sein. Lauter Gesang, imitiert die Rufe anderer Vogelarten.

Lebensraum: Bewohnt in weiten Teilen Europas, des Vorderen Orients und Nordafrikas bevorzugt alte Laub- und Mischwälder, Parks, Friedhöfe und Gärten.

Lebensweise: Der Kleiber zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Lebensweise aus. Seine strikte Bindung an alte große Bäume ist durch sein Verhalten begründet. Er vermag geradezu artistisch an Stämmen und Ästen kopfauf- und abwärts, auch kopfunter herumzuturnen, was keine andere europäische Vogelart kann. Das verschafft ihm eine sichtbare Dominanz in seinem Lebensraum, die sich in ausgeprägtem Revierverhalten (lauter Gesang, Standvogel, bleibt Nistplatz auch im Winter treu) und Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebotes auf alten Bäumen manifestiert.
Sitta europaea KleiberGrefressen wird, was Bäume bieten: Dort (z.B. in und unter der Rinde) lebende Insekten (-Larven - klopft mit dem kräftigen Schnabel an der Rinder herum), Samen, Nüsse, Talg (besucht zuweilen Futterhäuschen).
Auch die Anlage des Nistplatzes ist ganz auf große alte Bäume abgestimmt: In einer bestehenden Baumhöhle wird das Flugloch entsprechend der Körpergröße mit eingespeicheltem Lehm vermauert. Das Nest wird hauptsächlich mit weichen Schuppen der Kiefernrinde ausgepolstert. Deshalb muß sich mindestens eine große Kiefer im Revier bzw. in Flugweite befinden. Auch Nistkästen werden angenommen, wenn sie sich in Waldnähe befinden.
Das einzige Gelege eines Jahres besteht aus 6 bis 8 weißen, rostrot gefleckten Eiern. Gebrütet wird von April bis Juni, nach 15 bis 18 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie verlassen die Höhle in einem Alter von 23 bis 24 Tagen.
Fazit: Ein außergewöhnlicher Vogel, der bei uns trotz seiner Häufigkeit nur dann existieren kann, wenn wir ihm ausreichend alte Bäume zum Leben lassen.

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Die Ringelnatter (Natrix natrix (L.))

Merkmale: Diese bei uns häufigste Vertreterin der Nattern (Colubridae) erreicht mit 60 - 70 cm bei den Männchen, mit 80 - 100 cm bei den Weibchen und mit bis zu 2 m bei einzelnen Exemplaren eine stattliche Größe. Der Kopf ist vom Körper abgesetzt, mit runder Pupille und den weißen bis orangeroten Halbmondflecken jederseits des Hinterkopfes.
Damit wäre die Art eindeutig von anderen im Verbreitungsgebiet vorkommenden Schlangenarten zu unterscheiden, wäre da nicht die Färbungsvariabilität. Man findet alle Zwischenstufen bis zu völlig schwarzen Exemplaren. Bei dem hier abgebildeten Tier (Foto Familie König, Türkenfeld) fließen die sonst deutlich getrennten und scharf abgegrenzten “Halbmonde” ineinander und verschmelzen fast zu dem sog. Nackenband.
Weitere Charakteristika sind die zumeist schiefergraue Färbung, unregelmäßige dunkle Flecken und zuweilen helle Längsstreifen am Körper.

Natrix natrix RingelnatterLebensraum: In großen Teilen Europas weit verbreitet, außerdem im nordwestlichen Afrika, bis in den Iran und zum Baikalsee zu finden. Bis in 2300 m Höhe vorkommend. Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes existieren zahlreiche geographische Formen. Häufig in Gewässernähe, aber auch in Gärten, Wiesen, Steinbrüchen, sonnigen Waldlichtungen und -rändern.

Lebensweise: Eine tagaktive, schwimmende und tauchende Schlangenart! Kein Wunder, daß man sie schlängelnd und schnell schwimmend im Tümpel beobachten kann, wo sie auf Jagd nach leckeren Fröschen, Fischen etc. geht. Das heißt, wenn man sie zu Gesicht bekommt - die Art ist sehr scheu. Wie alle Schlangen sonnenhungrig, läßt sich gerne auf erhitzten Steinen “braten” (siehe Foto).
Die Ringelnatter überwintert an geschütztem Ort und verläßt dazu die Feuchtgebiete. Sie wandert zu trockeneren, sonnigen Hängen. Im Frühjahr findet nach der ersten Häutung die Paarung statt. Die Ablage der 20 bis 50 Eier erfolgt oft gesellig in Komposthaufen, vermodernden Baumstümpfen, Laubhaufen etc. So kommen bis zu 1200 Eier zusammen, zuweilen zusammen mit anderen Arten wie der Vipernatter (nur südlich verbreitet). Ist der Nachwuchs 4 bis 8 Wochen später geschlüpft (aufgrund dieser kurzen Entwicklungszeit kommt die Art auch hoch im Norden vor!), gehen sie sofort auf Jagd nach kleinen Fischen, Würmern und Kaulquappen. Viele der zahlreichen Jungschlangen fallen allerdings ebenso zahlreichen Freßfeinden wie diversen Vogelarten, Igeln, Füchsen, Hechten und sogar großen Laufkäfern zum Opfer.
Besonderheiten: Wird sie ergriffen, scheidet sie aus der Analdrüse eine stinkende, gelbweiße Flüßigkeit aus, die den Interessenten noch lange nach dem Kontakt mit ihrem Geruch erfreut.
Keine Angst, die Ringelnatter ist ABSOLUT HARMLOS und UNGIFTIG! Also bitte nicht so dumm sein wie manche Zeitgenossen, die das Tier aus Unwissenheit oder Aberglaube erschlagen.

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Wirbellose

Vor mehr als 570 Millionen Jahren tauchten die ersten wirbellosen Tiere auf. Sie sind dokumentiert als Fossilien, die aber nur bruchstückhaft Auskunft geben können über die vergangene Fülle wirbellosen tierischen Lebens auf unserer Erde. Anders als die Wirbeltiere mit ihrem innenliegenden Skelett besitzen viele Wirbellose eine den Körper stützende und schützende Außenhülle.

Zu den heute lebenden (rezenten) Wirbellosen zählt man unter anderem
die Schwämme und Nesseltiere (z.B. Korallen), welche überwiegend im Wasser leben,
die Weichtiere wie Schnecken und Muscheln,
diverse Würmerstämme, darunter der Band- und Regenwurm,
kaum bekannte Exoten wie die Bärtierchen
sowie der ungeheuer artenreiche Stamm der Gliederfüßer, zu dem z.B. die Krebse, Spinnen und Insekten zählen.
Vielen von Ihnen ist gemeinsam, daß sie sich seit Jahrmillionen erfolgreich gegen die Wechselfälle des irdischen Lebens behaupten. Der moderne Mensch dagegen bevölkert unseren Planeten “erst” seit ca. 150.000 Jahren - eine nach irdischen Maßstäben lächerlich kurze Zeitspanne.

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Der Ameisenlöwe, Der Atlasspinner, Der Kiemenfuß, Ritterfalter, Die Ritterwanze, “Schädlinge” 1: Der Pelzkäfer,  “Schädlinge” 2: Der Hühnerfloh, Der Siebenpunkt, Die Steinhummel

 

 

Der Ameisenlöwe, Myrmeleon formicarius L.

Myrmeleon formicarius AmeisenlöweMerkmale: Durch sein äußeres Erscheinungsbild erinnert das ausgewachsene Insekt (Imago), auch Ameisenjungfer genannt, eher an Libellen. Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal sind die kurzen, keuligen Fühler und der teilweise behaarte, schlanke Hinterleib. Die vier langen, schlanken Hautflügel laufen zu den Enden hin spitzer aus als die Flügel der Libellen.

Lebensraum: Weltweit gibt es etwa 2.000 Arten von Ameisenlöwen (Myrmeleonidae). Sie gehören zur Familie der Netzflügler (Planipennia). Von den in Europa vorkommenden 5 Arten ist Myrmeleon formicarius die häufigste (Körperlänge bis 40 mm, Flügelspanne bis 80mm).
Die Ameisenlöwen bewohnen meist sandige Gegenden. Ihre Larven leben dicht unter der  Bodenoberfläche.

Lebensweise: Bekannter als die Imago des Ameisenlöwen sind dessen Larven. Die gedrungenen, rundlichen Tiere besitzen einen hervorstehenden Kopf mit langen, gekrümmten Saugzangen. Sie sitzen die meiste Zeit in einer selbst angelegten, trichterförmigen Vertiefung eingegraben und nur die Zangen schauen heraus. Hier warten die räuberischen Insekten auf Beute. Betritt zum Beispiel eine Ameise den Trichterrand, wird sie vom Ameisenlöwen mit Sand beworfen und stürzt in den Trichter. Ein Entkommen über die Trichterwände ist meist nicht möglich, da das lockere Substrat, meist Sand, sofort nachrutscht. Das Beutetier wird mit den langen, hohlen Zangen ergriffen. Durch ein vom Tier eingespritztes Giftsekret wird das Beutetier betäubt. Anschließend wird das anverdaute Beutetier ausgesaugt. Mit einer ruckartigen Kopfbewegung schleudert der Ameisenlöwe den Rest der Beute aus dem Trichter.

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Papilionidae (Ritterfalter)

Arten dieser Familie sind in ihrer Erscheinung sehr auffällig. Die Schwalbenschwanzfalter (Gattung Papilio (lat. = Schmetterling)) tragen zumeist schwanzartige Verlängerungen an den Hinterflügeln. Besonders lang ausgebildet findet man diese Merkmale bei den Segelfaltern (Gattungen Iphiclides und Graphium). In den tropischen Regionen der Erde leben die farbenprächtigsten Arten. Oft gilt die auffällige Färbung als Information für die Freßfeinde der Schmetterlinge:Papilio demodocus „Achtung, ich bin ungenießbar oder giftig!" Die Raupen nehmen die Giftstoffe mit den Futterpflanzen auf. Allerdings gibt es unter den Faltern auch „Nachahmer". Sie sind den giftigen Tieren oft zum Verwechseln ähnlich.
Der hier abgebildete Papilio demodocus Esp. ist im tropischen Afrika eine häufige und verbreitete Art. Die Aufnahme stammt aus Kamerun.
In Südostasien leben die schönsten und größten Papilionidae. Es sind die Vogelflügler der Gattungen Troides und Ornithoptera. Sie fliegen, wie schon ihr Name vermuten läßt, ähnlich den Vögeln und leben in den Baumkronen der großen Urwaldbäume. In den Bergregionen Asiens findet man in Höhen bis zu 6000 Metern viele Arten der auch in Europa vorkommenden Apollofalter (Gattung Parnassius).
Die fünf in Deutschland heimischen Arten dieser Familie (in Niederöstereich und der Steiermark lebt außerdem der Osterluzeifalter)  sind durchweg in ihrem Bestand gefährdet und zum Teil schon sehr selten geworden. Wie die übrigen Ritterfalter fallen der Schwalbenschwanz, Segelfalter, Apollo, Hochalpenapollo und Schwarze Apollo durch ihre Größe und zumeist auffällige Färbung auf.

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Der Atlasspinner (Attacus atlas L.)

Eine weitere bemerkenswerte Falterfamilie, die Saturniidae, ist in Südostasien mit einem der größten Schmetterlinge dieser Erde repräsentiert, dem Atlasspinner.

Attacus atlas

Verbreitung: Südostasien
Futterpflanze: Diverse; zur Aufzucht z.B. Weide, Liguster, Flieder
Aussehen und Lebensweise:
Die gigantische blaßgrüne Raupe ist ein rechter Vielfraß und erreicht in etwa die Größe eines Wiener Würstchens.
Die in Ihren - wunderbar mit Blättern getarnten - Kokon eingesponnene Puppe ruht oft mehrere Monate. Der Falter sprengt die Puppenhülle mit einem deutlich hörbaren Knall und muß außerdem das Seidengespinst mit einem speichelartigen Sekret aufweichen..
Er hat die größte Flügelfläche aller Nachtfalter, nimmt keine Nahrung zu sich und lebt 1 - 2 Wochen nur für die Vermehrung.

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Der Pelzkäfer (Attagenus pellio (L.))

Der Pelzkäfer unterscheidet sich durch diverse Merkmale von den übrigen in Mitteleuropa vorkommenden Arten der Gattung. Es handelt sich um einen Kulturfolger (synathrop), der als gebäudesynathrope Art als Schädling für diverse Produkte bekannt ist. Die Art ist auch im Freiland auf Blüten zu finden.

Attagenus pellioBiologie: Die schwarzbraunen 4 bis 5 mm langen Käfer fliegen Ende Mai ins Freie, die Weibchen kommen zurück in die Zimmer und legen ihre max. 50 Eier an geeignetes Nahrungssubstrat. Dort schlüpfen die gelbbraunen, dicht behaarten (langes Haarbüschel am Hinterende) und auf der Unterseite goldgelb beschuppten Larven und fressen an trockenem Fleisch, toten Insekten, Pelzen, Teppichen, Baumwollstoffen, Getreideprodukten und trockene Pflanzen. Hauptnahrung ist jedoch das Keratin, aus dem Pelzhaare und Wolle bestehen. Bei Massenauftreten kommt es zu erheblichem Schaden, der sich in Form von Loch- und Haarfraß äußert. Die Larven meiden das Licht und verpuppen sich nach einer mehr als zwölfmonatigen Larvalentwicklung (Zeitraum abhängig vom Futterangebot, Temperatur etc.) in einem dunklen Versteck. Aus der Puppe schlüpft der fertige Käfer.

Eine ökologisch optimale Methode zur Bekämpfung des Befalls ist der Entzug der Nahrungsgrundlage. Wenn sämtliche Voratsbehälter, Schränke etc. dicht abgeschlossen werden, Spalten im Holzparkett verschlossen und der Dachboden gegen Befall gesichert wird (Vermeidung von Tierkadavern, Federn etc. im Speicher), ist die Larvalentwicklung und der Kreislauf der Metamorphose und Vermehrung gestoppt.
Wenn dies schwierig oder unmöglich ist, bietet sich das Begasen des Gebäudes an. Dieses Verfahren wird gegen Schadinsekten erfolgreich eingesetzt. Vorteil ist, daß bei gasförmiger Entwesung auch versteckt lebende Larven und Eier erfaßt werden. Allerdings erfordern die z.T. geringen Stoffwechselraten bei einigen Käferlarven lange Einwirkzeiten des Gases. Außerdem hinterlassen Gase bei sachgemäßer Anwendung keine toxischen Rückstände.
Verwendung in Silos und Lagerhallen finden z.B. Stickstoff, Kohlendioxid, Brommethan (Methylbromid) und Phosphorwasserstoff (Phosphin). Eventuell kann auch das Ausschwefeln des Gebäudes erfolgreich sein. Möglichkeiten zur biologischen Schädlingsbekämpfung (abgesehen vom Nahrungsentzug s.o.) sind nicht bekannt.
Hinweis: Die o.g. Gase sind auch für den Menschen hochgiftig! Aufgrund der versteckten Lebensweise der Larven versagen die üblichen Kontaktbiozide zumeist. Außerdem können diese für den Menschen gesundheitsschädlich sein!

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Der Hühnerfloh (Ceratophyllus gallinae (Schrank))

Der Hühnerfloh (Foto: oben das Männchen, unten das Weibchen) unterscheidet sich durch diverse Merkmale von den übrigen bei uns vorkommenden Arten der Siphonaptera (Flöhe).
Es handelt sich um einen Kulturfolger (synathrop), der dem Menschen durch Stiche lästig wird.

Biologie: Der Hühnerfloh saugt Blut an Haushuhn, Truthahn, Taube, wildlebenden Vogelarten, Mensch u. a. Länge 1 bis 3 mm. Dunkelbraun, vielfach schwarz. Ablage von etwa 20 Eiern. Entwicklung bis zur Imago in 10 bis 12 Tagen. Larven im Nestmaterial ihrer Vogelwirte, selten in solchem von Säugetieren oder in menschlichen Wohnungen. Früher besaß diese Art wahrscheinlich in wildlebenden Vogelarten ihren Wirtskreis. Nach Einbürgerung des vom Bankiva-Huhn (Heimat Indien) abstammenden Haushuhns auf dieses übergegangen. Heute kommt der Hühnerfloh vor allem auf dem Haushuhn regelmäßig vor. Geht hungernd auf den Menschen über. Die Belästigung des Menschen entspricht der durch andere Floharten.

Ceratophyllus gallinaeFlöhe sind seitlich abgeflachte, sekundär flügellose, meist bräunlich gefärbte Insekten, deren Imagines (Adulte) wegen ihres besonders kräftig ausgebildeten 3. Beinpaars zu enormen Sprungleistungen befähigt sind. Nur eine tausendstel Sekunde (0,001 sec) Reaktionszeit benötigt ein Floh, um hochzuspringen.
Männchen wie Weibchen ernähren sich vom Blut ihrer Wirte, und zwar saugen 94% der bekannten Arten bei Säugetieren und nur 6% bei Vögeln. Die meisten Flöhe sind nicht wirtsspezifisch, sondern können - besonders nach längerem Fasten (beim Menschenfloh (Pulex irritans L.) mehr als 1/2 Jahr) - auch Blut anderer Wirte akzeptieren, was allerdings die individuelle Fertilität reduzieren kann. Die Mundwerkzeuge der adulten Flöhe sind zu Zwei-Kanal-Stechapparaten ausgebildet. Durch den größeren Kanal wird Blut eingesogen, während gleichzeitig durch den viel feineren zweiten Speichel in den Stichkanal gepumpt wird. Dieser Speichel verhindert die Gerinnung des Blutes und ist gleichzeitig für die zum Teil erheblichen Hautreaktionen (pustelartige Schwellungen, Juckreiz) verantwortlich. Auf Flohstiche hin wird außerdem die Haut sensibilisiert, so daß ältere Stiche wieder zu jucken beginnen (repetieren). Dies wird um so unangenehmer, als die Flöhe sich leicht während der Mahlzeit stören lassen, danach neu einstechen, so daß ganze Serien von Stichen nebeneinander auftreten können. Die Blutmahlzeiten erfolgen meist täglich und können 20 - 150 Minuten andauern, wobei noch während der Mahlzeit große Mengen des aufgesogenen Blutes (vor allem Serum!) sofort wieder anal ausgeschieden werden.

Flöhe leben maximal etwa 1,5 Jahre. Die Kopulation findet häufig auf einem Wirt statt, worauf das Weibchen dann etwa 10-25 Eier täglich für etwa 3-6 Wochen auf dem Boden ablegt. Beim Katzenfloh werden so etwa 800-1000 Eier, beim Menschenfloh etwa 450 Eier insgesamt abgesetzt. Nach etwa 5 Tagen (temperaturabhängig) schlüpft eine augenlose Larve aus dem Ei, die wegen ihrer borstigen Gestalt auch als “Drahtwurm” bezeichnet wird und sich vorwiegend von Detritus (organische Partikel) ernährt. Nach etwa 2 - 3 Wochen und zwei vollzogenen Häutungen spinnen sich die Larven mit Hilfe ihrer Speicheldrüse einen seidigen Kokon. Innerhalb von etwa 3 weiteren Tagen differenziert sich die Larve zur Puppe und bleibt - abhängig vom Mikroklima - etwa 1 - 2 Wochen in diesem unbeweglichen Zustand. Das Schlüpfen aus dem Puppenkokon wird dann meist durch einen äußeren Stimulus, z. B. durch eine Vibration, ausgelöst. Unterbleibt dieser Stimulus - weil kein Wirt dieses von Flöhen befallene Lager aufsucht - kann der adulte Floh längere Zeit, offenbar mit stark reduziertem Stoffwechsel, im Puppenkokon verharren. Der erste Wirt löst dann bei vielen gleichzeitig vorhandenen Puppen einen Massen-Exodus aus, z. B. bei der Neubesiedlung eines alten Vogelnestes, einer Hundehütte oder einer Wohnung. Da sich 99% einer Flohpopulation auf dem Boden befinden, müssen Bekämpfungsmaßnahmen auch gegen diese Stadien gerichtet werden.

Flöhe sind Nestbewohner. Nur in der engen Bindung an den Nest- oder Lagerbereich besteht die Chance für ihre Entwicklung, Erreichung der Geschlechtsreife und Fortpflanzungsfähigkeit. Hier finden sie das zusagende Mikroklima, Substrate mit dem notwendigen Nahrungsangebot für die Larven und für die Imagines die Blutspender. Ihr weiter vom Nest oder Lager entferntes Auftreten kann durch Haustiere sowie den Menschen verursacht sein oder durch ein aktives Suchen nach einem Blutspender durch das vorherrschende Raumklima, Raumtextilien, Polstermöbel u.a. gefördert werden.
Eine ökologisch optimale Methode zur Bekämpfung des Befalls ist der Entzug der Nistmöglichkeit und der Nahrungsgrundlage. Wenn sämtliche Nistplätze beseitigt und die vorhandenen Larven, Puppen und Imagines entfernt werden, ist der Kreislauf der Metamorphose und Vermehrung gestoppt.

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Die Steinhummel, Bombus lapidarius (L.)

Bombus lapidarius SteinhummelMerkmale: Hummeln sind gekennzeichnet durch ihren kräftigen Körperbau und die dichte pelzige Behaarung. Die Steinhummel-Königin mißt bis 22 mm, die Arbeiterinnen und Männchen bis 16 mm. Letztes Hinterleibsdrittel gelbbraun bis rotbraun gefärbt, sonst schwarz. Männchen mit gelber Binde auf der Vorderbrust. Die Königin erzeugt während des Fluges einen tiefen Brummton. Die Art ist leicht mit ähnlichen Arten zu verwechseln.

Lebensraum: Die in Mitteleuropa weit verbreitete und häufige Art ist vom Flachland bis in ca. 1300 m Höhe zu finden. Sie bevorzugt offenes Gelände wie Wiesen, Weiden, Gärten, Parks, Brachland und Saumbiotope (Gräben, Weg- und Waldränder).

Lebensweise: Von April bis Oktober sind die 100 bis 300 Mitglieder eines Hummelvolkes emsig mit Nektar- und Pollensammeln beschäftigt. Daß sie damit "ganz nebenbei" auch intensiv an der Blütenbestäubung beteiligt sind, unterstreicht ihre Bedeutung für den Naturhaushalt. Immerhin fliegt die Steinhummel über 240 verschiedene Pflanzenarten an!
Die überwinternde Königin legt von Anfang April bis Ende Mai ein Nest an. Es werden alle geeigneten unter- und oberirdischen Hohlräume besiedelt. Dazu zählen Mäuse- und Vogelnester, Mauer- und Felsspalten, Scheunen, Schuppen und Dachböden. Hummeln sind absolut harmlos, wenn man ihr Nest in Ruhe läßt.

Schutz: Der beste Hummelschutz ist Biotopschutz. Ein naturnah gestalteter Garten ohne Einsatz von Bioziden mit zahlreichen natürlichen und künstlichen Hohlräumen für den Nestbau ist ein Hummelparadies. Und wenn der Gärtner so vernünftig ist, auch ein paar wunderschön blühende Disteln und den Wiesensalbei im Garten zuzulassen, steht dem Hummelflug à la Nikolaj Rimskij-Korssakow nichts mehr im Wege!

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Der Siebenpunkt, Coccinella septempunctata L.

Coccinella septempunctata SiebenpunktMerkmale: Dieser wohl bekannteste Vertreter der Marienkäfer (Coccinellidae) ist gekennzeichnet durch die charakteristische Anordnung von drei schwarzen Punkten auf jeder orangeroten Flügeldecke, den zentralen schwarz-weißen Fleck an der Flügelbasis und die Zeichnung des Halsschildes. Die Art ist kaum mit anderen Marienkäferarten zu verwechseln.
Weitere Charakteristika sind die glänzend-glatte Oberfläche, die kugelige Körperoberseite und annähernd nahtlos in den Körperumriß “einklappbare” Beine und Fühler.
Lebensraum: Die in Mitteleuropa weit verbreitete und sehr häufige Art ist praktisch überall dort zu finden, wo sie Pflanzen für die Eiablage und Beutetiere findet.

Lebensweise: Die länglich-ovalen gelben Eier werden in Gruppen in der Nähe von Blattlaus- oder Schildlauskolonien (also nahezu immer auf deren Futterpflanzen) abgelegt. Ein Weibchen legt bis zu 800 Eier. Aus ihnen schlüpfen Larven,die als große Räuber in ihrem kurzen Dasein über 600 Blattläuse etc. auffressen können. Die mobilen Larven wandern auf der Suche nach Beute weit auf der Pflanze (z.B. Baum, Distel, Weizen u.v.m.) umher. Sie sind des öfteren gezwungen, Ameisen auszuweichen, die ihre Blattlauskolonien bewachen.
Coccinella septempunctata SiebenpunktDie Verpuppung erfolgt zumeist im Freien auf Blattunterseiten etc.Die Puppe klebt fest auf ihrem Untergrund. Innerhalb von 30 bis 60 Tagen ist die gesamte Metamorphose vom Ei zur Imago (erwachsener Käfer) durchlaufen und der noch hellgelb gefärbte Käfer schlüpft. 2 Generationen pro Vegetationsperiode.
Nach Aushärtung des Außenskeletts geht auch der erwachsene Käfer auf Beutejagd z.B. in der Blattlauskolonie. Der Siebenpunkt neigt in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot zu Massenauftreten. Über 200.000 Individuen wurden schon pro Hektar Anbaufläche auf Getreidefeldern ermittelt. Die erwachsenen Tiere überwintern.

Besonderheiten: Die glänzend-glatte Oberfläche, die kugelige Körperoberseite und nahezu nahtlos in den Körperumriß “einklappbare” Beine und Fühler machen die Käfer für Ameisen und andere kleine Räuber nahezu unangreifbar. Durch Fallenlassen und Totstellen entgehen sie so manchem verfressenen Vogel. Besonders lästige kleine Angreifer wehrt das 5 - 8 mm große Tier durch eine gelbe, giftige und übelriechende Flüssigkeit ab, die es aus Gelenkhäuten der Beine abzusondern vermag. Man nennt dieses Verhalten “Reflexblutung“.

Marienkäfer SiebenpunktMarienkäfer sind beliebt wie kaum ein anderes Insekt. Mit mehr als 250 Volksnamen (Sonnenkälbchen, Muttergottesschäflein, Himmelsziege...) sind sie in Kinderreimen und Liedern vertreten. Ihnen wird große Sympathie entgegengebracht. Man ist freudig überrascht, wenn diese kugeligen Gesellen in ihren frischen Farben und dem lustigen Punktmuster auftauchen. Möglicherweise hat ihnen das den Ruf als Glücksbringer eingebracht. Seinen Namen erhielt er im Mittelalter. Bauern betrachteten den Marienkäfer als Geschenk der heiligen Maria, denn sie waren auf seine Hilfe als Blattlausvertilger angewiesen.
Hartnäckig hält sich das Gerücht, an der Anzahl der Punkte auf den Flügeln ließe sich das Alter der Käfer bestimmen. In Wirklichkeit handelt es sich um ein wichtiges Artmerkmal, denn es gibt 69 heimische und weltweit ca. 4500 Arten. Der „Rote Siebenpunkt“ ist der bekannteste unter ihnen.

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Die Ritterwanze, Lygaeus equestris L.

Merkmale: Auffällig rot, schwarz und weiß gefärbte Art mit einer maximalen Körperlänge von 12 mm. Wenn die Ritterwanze Ihre Flügel zum Flug ausklappt, erkennt man die bunten Vorderflügel, die häutigen leicht transparenten Hinterflügel und den knallroten Hinterleib mit schwarz gefleckten Seitenrändern. Das kräftige Fühlerpaar wird nach vorne seitlich gestreckt, der Saugrüssel unter dem Kopf und der Brust eingeklappt. Achtung: Die Art ist mit anderen Lygaeus-Arten zu verwechseln!
Lebensraum: Die Ritterwanze hat ihr Verbreitungsgebiet in Europa, Nordafrika und dem gemäßigten Asien. Das Exemplar links wurde im Nordirak fotografiert. Eine weit verbreitete Art, die aber nur sehr zerstreut vorkommt.

Lygaeus equestris RitterwanzeLebensweise: Nach der Überwinterung als Imago (erwachsenes Insekt) saugt die Ritterwanze an verschiedenen Pflanzen. Mit der Nahrung nehmen die Tiere auch Giftstoffe der Wirtspflanzen auf. Dazu zählen besonders die  Schwalbenwurz, Löwenzahn und das Frühlings-Adonisröschen. Das erklärt auch die Funktion der auffälligen Färbung: Achtung, ich schmecke widerwärtig - lass mich in Ruhe! Gelegentlich und bei Massenauftreten wird die Art an Zuckerrüben und Blumenkohl schädlich.
Das langlebige Weibchen legt an die 60 Eier im Boden ab. Die Larven leben zunächst an der Schwalbenwurz und dem Frühlings-Adonisröschen (Giftaufnahme!), migrieren im Laufe ihrer Entwicklung auf andere Pflanzen. Nach fünf Larvenstadien und ca. 40 Tagen häutet sich die Larve zur Imago.

Besonderheiten: Wer Wanzen eklig findet, ist selber schuld! Und viele Laien verwechseln sie auch noch mit Käfern. Wie dieser auffällige Vetreter der Insektenordnung beweist, sind Wanzen farbenprächtige, vielgestaltige und faszinierende Lebewesen.
Da die Larven zu Beginn ihrer Entwicklung auf die o.g. Nahrungspflanzen angewiesen sind, ist der Bestand von Lygaeus equestris stark vom Vorkommen der  Nahrungspflanzen abhängig. Und die werden stellenweise immer seltener!

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Der Kiemenfuß (Triops cancriformis Bosc.)

Triops cancriformisDie Kiemenfüße gehören zu den Blattfußkrebsen (Phyllopoda) und erreichen eine Gesamtkörperlänge von 10 cm. Sie leben in lehmigen, bald wieder eintrocknenden Tümpeln (temporären Gewässern). Von Mai bis September kann man diese quicklebendigen, teilweise auch auf dem Rücken umher schwimmenden, Plankton fressenden Krebschen beobachten. Ihre Eier legen sie am Gewässerboden ab. Bei Austrocknung der Tümpel und Pfützen können sie Jahrzehnte überdauern, um sich dann bei erneuter Berührung mit Wasser innerhalb weniger Tage bis zur Geschlechtsreife zu entwickeln.
Die zweite, in Deutschland heimische Art Kiemenfuß Lepidurus apus (L.) (Schuppenschwanz) unterscheidet man von Triops cancriformis durch die kürzeren Geißeln am ersten Brustfuß und das letzte in ein zungenförmiges Blättchen auslaufende Hinterleibssegment. Man findet Lepidurus apus von März bis April vorwiegend in Waldtümpeln.
Beide Arten sind nur lokal häufig anzutreffen. Diese Eiszeitrelikte sind etwas ganz besonderes in unser heimischen Tierwelt.

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Pflanzen

Weit über 400.000 lebende Pflanzenarten bevölkern unseren Erdball. Etwa zwei Drittel sind den Samenpflanzen zuzurechnen, der Rest den Farnen, Moosen, Algen, Pilzen und Flechten.
Pflanzen stehen an der Basis der meisten Nahrungsketten (z.B. Algen) und tragen an deren Ende entscheidend zum Abbau organischer Substanz bei (z.B. Pilze). Ohne diese Produzenten (Erzeuger) und Destruenten (Zersetzer) würde auf der Erde biologisch überhaupt nichts funktionieren.
Es gibt übrigens gewichtige Gründe, die Algen und Pilze nicht zu den Pflanzen zu zählen, sondern in eigene Organismenreiche zu stellen.
Beispielhaft wollen wir Ihnen einige faszinierende Details aus der Pflanzenwelt vorstellen.

Über die folgenden Themenlinks gelangen Sie direkt zum entsprechenden Eintrag:
Bach-Nelkenwurz, Großer Klappertopf, fleischfressende Pflanze Nepenthes, Rosskastanie, Schimmelpilze, Schwarz-Pappel, Die Sibirische Schwertlilie, Die Vogelkirsche, Grünalge Volvox, Waldkiefer, Wiesen-Schaumkraut

 

 

Die Sibirische Schwertlilie, Iris sibirica L.

Iris sibirica SchwertlilieMerkmale: Iris-Arten sind Pflanzen mit holzigen Rhizomen. Es gibt aber auch wenige Arten, die aus Zwiebel wachsen.
Die bis zu einem Meter hohe Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) kommt in ganz Europa vor. Die langen, schlanken, grasartigen Blätter sind bläulich und zum Stengel hin bräunlich gefärbt. Der Stengel ist hohl und meist verzweigt.
Die Blüte besitzt außen 3 blauviolette, dunkel geäderte und innen 3 aufrecht stehende und dunkler gefärbte Blütenhüllblätter (Domblätter). In der Mitte steht der blütenblattähnlich ausgebildete Griffel mit den Staubblättern. Der Fruchtknoten ist unterständig.

Lebensraum: Schwertliliengewächse (Iridaceae) sind mit 70 Gattungen und ca. 1.500 Arten in den Tropen und Subtropen vertreten und haben sich in die nördlich gelegenen, gemäßigten Gebiete weiter verbreitet.
Vertreter der Schwertliliengattung Iris sind in Europa, Nordamerika, Afrika und Nordasien verbreitet. Von ca. 300 Arten sind 10 in Mitteleuropa zu finden. Sie bevorzugt feuchte Wiesen, Buschland und Ufer von Gewässern als Standort. Oft findet man große Flächen mit dichtem Pflanzenbestand und einem blauen Blütenmeer.

Besonderheiten: Durch das Verschwinden der Feuchtwiesen und das ständige Trockenlegen von Mooren ist die Sibirische Schwertlilie stark zurückgegangen. Mit groß angelegten Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen versucht man die letzten Refugien dieser prächtigen Pflanze zu retten. In Bayern befinden sich noch große Bestände im naturgeschützten Ammerseemoos.

 

 

 

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Die Vogelkirsche, Prunus avium L.

Prunus avium VogelkirscheMerkmale: Die Vogelkirsche ist ein Baum, der bis zu 25 Meter hoch und bis 150 Jahre alt werden kann. Mit den regelmäßig angeordneten und locker verzweigten Ästen erscheint die Krone zylinderförmig. Die graue, glatte Rinde ist an vielen Stellen von horizontalen Rillen durchzogen, die mit zunehmendem Alter aufreißen. Anfangs hellgrün, verfärben sich die doppelt gezähnten, zugespitzten, länglichen Blätter zum Sommer in ein mattes Mittelgrün. Die langen Blattstiele sind mit zwei kleinen roten Drüsen versehen, die Honig enthalten.
Ab Mitte April steht die Vogelkirsche in voller Blüte. Die Krone eines freistehenden Kirschbaumes kann über eine Million doldenförmige Blütenbüschel  besitzen. Von den weißen Einzelblüten geht keinerlei Geruch aus. Im Juni tritt bereits die Fruchtreife ein. Kaum färben sich die kleinen, etwa erbsengroßen Kirschen rot, werden sie von Vogelscharen aufgesucht und geplündert.

Lebensraum: Sie ist in ganz Europa, außer dem hohen Norden verbreitet. Wahrscheinlich wurde sie aus Mittelasien bei uns eingeführt und ist inzwischen in den gesamten gemäßigten Zonen verbreitet. Feldraine, sonnige Hanglagen, Waldränder und -lichtungen sind bevorzugter Standort für diese herrliche Baumart.

Besonderheiten: Sie dient auch zur Veredelung und wurde zur Stammform unserer Edelkirschen. Noch heute destilliert man im Schwarzwald wilde Vogelkirschen zu echtem Wildkirschwasser, welches nur in kleinen Mengen und zu sehr hohen Preisen erhältlich ist.

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Algen (Phycophyta)

Es handelt sich um eine sehr arten- und formenreiche Gruppe niederer Pflanzen. Sie enthalten Chlorophyll, den grünen Farbstoff der Photosynthese, erscheinen aber oft in anderen Farben. Der Grund ist ein Überdecken des grün gefärbten Chlorophylls durch rote, blaue oder braune Farbstoffe. Sie vermehren sich geschlechtlich und ungeschlechtlich. Ihre Zellen enthalten Zellkerne und es gibt unter ihnen Einzeller und vielzellige Arten. Sie kommen in allen Gewässertypen im Plankton (im Wasser schwebend) oder Benthos (auf dem Gewässergrund bzw. als Aufwuchs) vor. Nur wenige Arten existieren an Land.

Volvox aureus

Unter den Einzellern (Protozoa, Klasse Flagellata), nimmt die zur Familie der Grünalgen (Volvocidae) gehörende Art Volvox aureus eine besondere Stellung ein. Man vermutet in ihr eine Übergangsform zwischen Ein- und Vielzellern und dient somit als Modell für die Entstehung der Vielzeller.
Die einzelnen geißeltragenden Zellindividuen sind radiär in einer hohlkugeligen Gallertkolonie vereinigt. Sie sind durch sehr feine Plasmafäden oder Fadenbündel verbunden. Die Einzelzellen sind mit ihren nach außen in das Wasser ragenden 2 Geißelzellen für die Fortbewegung verantwortlich. Der Geißelschlag aller Zellindividuen ist zur Fortbewegung der maximal 0,5 mm großen Wimperkugeln synchronisiert.
4 - 10 spezialisierte Vermehrungszellen bilden entweder Geschlechtszellen oder Tochterkugeln (-kolonien) aus. Wenn die Tochterkugeln die Mutterkolonie verlassen, geht diese zugrunde.
Die Wimperkugeln Volvox aureus treiben im Süßwasser nährstoffreicher Seen, Tümpel und Teiche. Nachts halten sie sich in tieferen Lagen der Gewässer auf, während sie tagsüber grundsätzlich zum Licht streben und sich dann an der Oberfläche sammeln.

Volvox aureus

 

Volvox aureus

 

 

 

 

 

Volvox aureus

 

Volvox aureus

 

 

 

 

 

 

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Schimmelpilze

Schimmel mycZirka 30.000 Schimmelpilzarten sind bekannt. Ihre systematische Einordnung ist schwierig, umstritten und permanent im Fluß. Ihr Vermehrungs- und Verbreitungsstadium - die Spore - gelangt meist luftgetragen mit dem kleinsten Windhauch in neue Lebensräume. Auf der Erdoberfläche gibt es kaum einen Quadratzentimeter, auf dem nicht Schimmelsporen zu finden wären. Die passenden Nährstoffe und ein bischen Feuchtikeit vorausgesetzt bildet jede lebende Spore den Ausgangspunkt für eine neue Schimmelkolonie.
Homo sapiens hat sich im Laufe seiner Evolution an den Kontakt mit Schimmelsporen gewöhnt. Problematisch wird es jedoch, wenn Menschen über längere Zeit ständig großen Mengen derselben Sporenart ausgesetzt sind. Dies ist z.B. in einem von
Schimmel befallenen Schlafzimmer der Fall.

 

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Kannenpflanze (Nepenthes sp.)

Familie der Kannenstrauchgewächse

Verbreitung: Australien und tropisches Asien

Rankende, teilweise epiphytische Sträucher, deren Blätter meist kannenartig auswachsen. In den Kannen bildet sich eine wässrige Flüssigkeit, die von Drüsen abgesondert wird. Am Kannenrand und an den Innenwänden befinden sich kleine Wachsplättchen. Auf diesen rutschen ankommende Insekten aus und gelangen so in den Verdauungssaft der Pflanze, wo sie von Eiweiß spaltenden Enzymen zersetzt werden. Damit verschafft sich die Pflanze ein “Zubrot” zur üblichen pflanzlichen Nährstoffgewinnung.

 

 

 

 

Auf dem Bild rechts ist der glänzend-glatte Rand der Kannenöffnung gut zu erkennen. Auf dieser trügerischen “Landebahn” kommt es für viele anfliegenden Insekten zum tödlichen Absturz in die Kanne. Oberhalb der Kannenöffnung befindet sich ein “Regendach”, welches ein Verwässern des Verdauungssaftes verhindert.
Links hinter der großen Kanne sind zahlreiche kleine nachwachsende Kannen erkennbar.

 

 

 

Ein Blick in das Innere dieser Kanne offenbart die Effektivität der Fangmethode. Am oberen Rand der dunklen verdauten Insektenmasse ist eine frisch abgestürzte Fliege erkennbar.

 

 

 

 

 

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Der Große Klappertopf, Rhinanthus angustifolius Gmelin

Merkmale: Der Klappertopf gehört zur Familie der Rachenblütler (Scrophulariaceae), wozu z.B. auch Braunwurz, Leinkraut, Fingerhut, Ehrenpreis und Augentrost zählen.
Rhinanthus angustifolius KlappertopfDie bis zu 70 cm hohe Pflanze besitzt eine zitronengelbe, bis 2,4 cm lange Kronenröhre und ist zweilippig, schwach gekrümmt, deutlich länger als der zur Fruchtreife aufgeblähte Kelch. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis September, die Bestäubung erfolgt fast ausschließlich durch Hummeln, selten durch Falter. Die bis zu 4,5 mm großen Samen besitzen einen Flügelsaum, so dass eine Windverbreitung in gewissem Umfang möglich ist. Der einjährige Halbschmarotzer besitzt zwar Chlorophyll zur Photosynthese, ist aber auf Wirtspflanzen angewiesen, von denen über das Wurzelwerk Wasser und Nährsalze bezogen werden.

Lebensraum: Der Große Klappertopf bevorzugt frische bis feuchte, nährstoffarme Grünlandgesellschaften, daneben auch Halbtrockenrasen, Küstendünen oder basenreichere, sandig-lehmige Äcker. Die Art liebt das Licht.

Besonderheiten: Der Gattungsname Rhinanthus leitet sich von den griechischen Wörtern rhinos (Nase) und anthos (Blume) ab und beschreibt die nasenähnliche Blütenform. Der deutsche Name Klappertopf charakterisiert das Rasseln der Samen im aufgeblasenen Fruchtkelch beim Schütteln. Der Mensch hat dieser alten Kulturpflanze zahlreiche Namen wie Rassel, Wiesenklapper oder Totsauger gegeben. In Aufzeichnungen aus dem 12. Jhdt. von Hildegard von Bingen findet sich schon eine "razela", spätestens seit dem 15. Jhdt. wird von einer "Klapper" gesprochen. Die Bezeichnung "Klappertopf" wird seit 1833 benutzt.
Heute ist der Klappertopf durch weitere Intensivierung der Landwirtschaft bedroht. Insbesondere Entwässerung, Düngung und mehrschürige Mahd verdrängen die Pflanze von den Wiesen. Die Umwidmung von Grünland z.B. in Maisäcker führt nicht nur für den Klappertopf zum Totalverlust.

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Die Gemeine Roßkastanie, Aesculus hippocastanum L.

Merkmale: Die Roßkastanie ist ein stattlicher Baum mit bis zu 2 m dickem, nach rechts drehwüchsigem Stamm und einer dichten, eiförmigen Krone, die bis in ca. 25 m Höhe emporstrebt. Im Winter fällt sie auf durch große, klebrige Knospen, im Frühjahr durch große gefingerte Blätter, im Frühsommer durch prächtig und zahlreiche Blütenkerzen und im Herbst prunkt sie mit goldfarbenen Blättern und den großen, glänzenden, bis zu 20g schweren Samen, den Kastanien.
Alter bis 300 Jahre, das Holz ist nicht verwertbar.

Aesculus hippocastanum RosskastanieLebensraum: Die Art stammt aus Bergwäldern Westasiens und Südosteuropas, von wo aus sie in Europa ab dem 16. Jahrhundert in Parks, auf Alleen, Höfen und in Wildparks ausgepflanzt wurde. Der Baum bevorzugt nährstoffreiche, frische Böden, ist aber ansonsten recht anspruchslos. Die Art ist schnellwüchsig, in strengen Wintern von Frostschäden betroffen.

Besonderheiten: Im Gegensatz zur Eß- oder Edelkastanie sind ihre Früchte für den Menschen ungenießbar. Von Pferden, Hirschen und Wildschweinen etc. werden die Samen gefressen, erkrankten Pferden hilft das besonders bei Husten und Wurmkrankheiten (daher der Name Roßkastanie).
Der Baum ist als Schattenspender und attraktiver Zierbaum sehr beliebt. Als Alleebaum wird eine sterile Zuchtform gepflanzt, damit niemand durch die herabfallenden Samen und/oder die Stachelhülle zu Schaden kommt.
Seit ca. 1984 ist bekannt, daß die Art durch die in Mazedonien entdeckte sog. Kastanienminiermotte befallen wird. Die Ausbreitung der Motte erfolgte vor allem mit Fahrzeugen. Es entwickelten sich zunächst in größeren Abständen Befallsinseln um Autobahnrastplätze und Bahnhöfe, bevor von dort die Flächenausbreitung über ganz Europa erfolgte. Die Herkunft der Kastanienminiermotte ist ungeklärt. Der Falter verursacht durch Raupenfraß in den Blättern mit bis zu vier Generationen im Jahr (je Baum mehrere hunderttausend Falter) vorzeitigen Blattfall bereits im August. Problematisch ist, daß die Kastanienminiermotte bisher keine natürlichen Feinde zu haben scheint - daher das massenhafte Auftreten. Die bisher wirkungsvollste Gegenmaßnahme ist die Vernichtung des Falllaubs durch Verbrennen, Vergraben oder Heißkompostieren. Damit werden die überwinternden Puppen getötet.

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Die Schwarz-Pappel, Populus nigra L.

Populus nigra SchwarzpappelMerkmale: Die Schwarz-Pappel ist ein mächtiger Baum mit bis zu 35 m Höhe und einer breit ausladenden Krone. Die Borke fällt durch kunstvolle tiefe Längsrisse auf. Die wechselständigen Blätter sind am Rand gleichmäßg gezähnt, die Spreite dreieckig bis herzförmig mit ausgeprägter Spitze. Die Oberseite hat eine glänzend-dunkelgrüne Färbung, die Unterseite ist etwas heller.

Lebensraum: Die Art ist in ganz West-, Mittel- und Osteuropa beheimatet. Sie wächst natürlicherseits bevorzugt an Flußufern, angepflanzt findet man sie auch als Alleebäume oder in Parks. Allerdings ist die echte Schwarz-Pappel durch forstliche Einkreuzungen z.B. der Kanadischen Pappel recht selten geworden. Daher steht sie inzwischen in den Roten Listen bedrohter Pflanzenarten. Auch die Veränderung und Zerstörung ihrer natürlicher Lebensräume wie Flussauen hat zu diesem massiven Rückgang der Art beigetragen.

 

Populus nigra SchwarzpappelBesonderheiten: Das leichte weiche Holz (Lebensraum Weichholzaue!) wird forstlich genutzt und zu Holzwolle, Zündhölzern, Furnieren und Zellulose verarbeitet.
Auch in der Medizin fanden und finden Bestandteile des Baumes Verwendung. Schon Dioskurides (41 - 80 n. Chr.) beschreibt die medizinische Anwendung von Pappelrinde bei “Harnzwang” und Ischiasbeschwerden, Saft von Pappelblättern bei Ohrschmerzen. Hildegard von Bingen empfahl Salbenmischungen, die Pappelrinde enthielten. Heutzutage kommen Pappelknospen als Tee sowie Pappelsalbe bei Hautverletzungen, Hämorrhoiden, Frostbeulen und Sonnenbrand zur Anwendung.
Zahlreiche Tierarten leben auf der Schwarz-Pappel. Zu ihnen gehören der Pappel-Bock, -Blattkäfer, -Blattroller, -Schwärmer, -Spinner und -Wickler (alles Insekten). Die Gallläuse legen ihre keulenförmigen Gallen bevorzugt am Blattstiel an. Dies ist ein gutes Bestimmungsmerkmal, denn nur die echte Schwarz-Pappel wird befallen. Zahlreiche Vogelarten nisten in der Krone. Biber nutzen die Schwarz-Pappel als Nahrung und zum Dammbau.
Jede umgesägte Schwarz-Pappel reißt demnach ein ganzes Universum an Arten mit in den Tod!

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Das Wiesen-Schaumkraut Cardamine pratensis L.

Cardamine pratensis WiesenschaumkrautMerkmale: Das Wiesen-Schaumkraut gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Aus der  Gattung der Schaumkräuter sind in Mitteleuropa weitere acht Arten bekannt. Die Art ist formenreich, weshalb einige Subspezies beschrieben wurden.
Die bis zu 50 cm hohe Pflanze besitzt mehrere Blüten mit weißen bis rosa oder blaßlia gefärbten Blütenkronblättern. Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juni. Der hohle runde Stengel besitzt rosettenartige Grundblätter nahe der Basis und unpaarig gefiederte Teilblättchen im oberen Stengelabschnitt. Die Pflanzensamen befinden sich in einer Schote, welche bei Reife aufspringt. Außerdem vermehrt sich die Art ungeschlechtlich durch Blattsprossen aus der Grundrosette.

Lebensraum: In Europa, Nordasien und Nordamerika in diversen Biotop-Typen zu finden. Das Wiesen-Schaumkraut bevorzugt frische bis feuchte, nährstoffreiche Wiesen, Flachmoore, Ufer und Auenwälder. Die Pflanze ist recht anpassungsfähig und besiedelt unterschiedliche lehmige bis sandige Böden. Trockenen Untergrund meidet sie.

 

Cardamine pratensis WiesenschaumkrautBesonderheiten: Die Larve der Schaumzikade (Philaenus spumarius (L.)) lebt im Frühjahr und Frühsommer häufig als Pflanzensauger am Wiesen-Schaumkraut. Diese Zikadenart hat die Eigenheit, als Larve ein Schaumnest (im Volksmund “Kuckucksspeichel” genannt) um ihren Körper zu legen. Dieser Schaum besteht aus Proteinen und Zuckerverbindungen, die von der Larve abgesondert werden und durch Einpumpen von Luftbläschen aus dem Tracheensystem (Atmungsorgan) den Schaum bilden. Das Schaumnest dient vermutlich der Körperklima-Regulierung und dem Schutz vor Räubern.
Der Trivialname “Wiesen-Schaumkraut” stammt demnach aus einer Zeit, als im deutschsprachigen Raum die Natur noch nicht derart von Homo sapiens verwüstet war wie heutzutage. Damals gab es noch ausgedehnte feuchte Lebensräume, auf denen das bestandsbildende Wiesen-Schaumkraut mit seiner weißlichen Blüte und dem vielen "Kuckucksspeichel" wie ein flächiger Schaumteppich auf der Krautschicht wirkte.

 

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Pinus sylvestris WaldkieferDie Waldkiefer, Föhre, Pinus sylvestris L.

Merkmale: Der Naturfreund kann diesen imposanten, immergrünen und bis 30 m hohen Baum mit seiner in der Jugend eher kegelförmigen und im Alter schirmartig-breiten Krone nicht übersehen.
Den langen, oft gekrümmten Stamm bedeckt eine längsgefurchte, grobe, grauschwarze Rinde. Weiter oben und an dünneren Ästen ist die Rinde glatter und orangerot gefärbt.
Die Nadeln wachsen paarig aus einer grauen Scheide und erreichen eine beträchtliche Länge. Die Nadeln bleiben max. 5 Jahre am Baum und werden dann abgeworfen.
Erst nach 30 - 70 Jahren blüht die Waldkiefer von Mai bis Juni und bringt zwei Jahre später hängende, kugel- bis eiförmige Zapfen hervor, die Samen ausfliegen lassen.

 

 

Pinus sylvestris WaldkieferLebensraum: Die Art ist in Mittel-, Osteuropa und dem nordasiatischen Raum beheimatet. Im nordöstlichen Nordamerika wurde sie eingebürgert.
Die anspruchslose Art gedeiht besonders auf sandigen Böden und verträgt Trockenheit. Aber auch in Mooren und auf steinigen Böden dort zu finden, wo andere Baumarten nicht mehr konkurrenzfähig sind.

 

 

Pinus sylvestris WaldkieferBesonderheiten: Von dieser Baumart wurden mehr als 150 Varietäten und Rassen bzw. Unterarten beschrieben. Schon dieser Aspekt zeugt vom großen Interesse des Menschen an der Waldkiefer. Die Art wird forstlich angepflanzt und genutzt. Das gelbliche Holz wird gerne als Bau- und Möbelholz eingesetzt. Es ist qualitativ höherwertiger und härter als Fichtenholz. Das Harz findet in der chemischen Industrie Verwendung. Sein intensiver aromatischer Geruch rührt von den Terpenen her, die als Lösemittel in Naturfarben verwendet werden.

 

 

 

 

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Die Bach-Nelkenwurz, Geum rivale L.

Geum rivale BachnelkenwurzMerkmale: Die Bach-Nelkenwurz gehört der Pflanzenfamilie der Rosengewächse (Rosaceae) an. Der nickende Blütenstand besteht aus fünf orangefarbenen Kronblättern mit mehr als zehn Staubblättern. Der Außenkelch ist gleichlang und braunrot gefärbt. Die Klettfrucht mit hakigen Griffeln ist stark haftend und wird von Tieren und Menschen verbreitet. Der Stengel ist abstehend behaart, locker verzweigt und mehrblütig. Die Blätter sind dreiteilig - oft bis zum Grund gelappt, am Rand grob gezähnt.
Die ausdauernde Staude wird 20 cm bis 100 cm hoch, sie blüht von April bis Juni.
Lebensraum: Die Art ist in Europa weit verbreitet, im Süden jedoch hauptsächlich in den Gebirgen zu finden. Sie bevorzugt Naßwiesen, die Hochstaudenfluren der Ufer (lateinischer Artname!), Quellen und Auwälder. In den Alpen findet man die Bach-Nelkenwurz bis über 2000 m Höhe. Die Art bevorzugt einen nährstoffhaltigen, durchlässigen Boden mit frisch- feuchten Bodenverhältnissen in halbschattiger bis sonniger Lage.

 

 

Geum rivale BachnelkenwurzBesonderheiten: Die Blüten bilden die Nahrungsgrundlage für einige Insekten und sind insbesondere als sog. "Hummelweiden" bekannt.
Der Name bezieht sich auf die Heilwirkung des Wurzelstocks, der im Frühjahr oder Herbst ausgegraben wurde. Früher wurde er als Nelkenersatz beim Kochen verwendet. Der getrocknete Wuzelstock enthält das ätherische Öl Eugenol. Insbesondere als Kräuterwein oder Kräuterlikör sollte die Bach-Nelkenwurz zur Stärkung der Verdauungsorgane dienen.
Der Bestand ist u.a. aufgrund der Trockenlegung von Feuchtlebensräumen rückläufig. In einigen Bundesländern wurde die uferprägende Bach-Nelkenwurz inzwischen in die Rote Liste aufgenommen.

 

 

 

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